{"id":606,"date":"2013-02-22T15:36:34","date_gmt":"2013-02-22T13:36:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wildfoerster.net\/?page_id=606"},"modified":"2016-01-31T14:27:30","modified_gmt":"2016-01-31T12:27:30","slug":"texte-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.wildfoerster.net\/?page_id=606","title":{"rendered":"Texte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ausstellung\u00a0 D. Wildf\u00f6rster\u00a0\u00a0 19.06. \u2013 28.06.2009\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Akademiegalerie KU28<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einf\u00fchrungsrede und Text im Katalog<\/p>\n<p>von Dr. \u00a0Emmanuel Mir ( Kunsthistoriker )<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>KEINE MUSIK F\u00dcR HELDEN<\/b><\/p>\n<p>Im Volksglauben ist der K\u00fcnstler ein Held, das Kunstwerk ein Schatz, die Kunstproduktion ein Ausnahmezustand. Mehr als seine Bildhauerkollegen genie\u00dft dabei der Maler eine besondere Bewunderung, in der sich Respekt und Ehrfurcht mischen. Das in den Massenmedien vermittelte Bild des Malers zeigt gern einen wild gestikulierenden <i>creator furiosus<\/i>, der sich beim Arbeiten die Seele aus dem Leib rei\u00dft und seine Leinwand mit der krassesten Energie beackert. Dass dieses Klischee reduzierend ist, liegt auf der Hand. Dass Malerei auch eine unspektakul\u00e4re Angelegenheit ist, die Geduld, Ausdauer, Konzentration und Regelm\u00e4\u00dfigkeit ben\u00f6tigt, ist nicht zu beweisen.<\/p>\n<p>Wildf\u00f6rster geh\u00f6rt zur K\u00fcnstlergattung, die in der Vorstellung des Volksglaubens nicht passt. Kein pl\u00f6tzlicher Impuls, kein dramatischer Ausdruck, kein Spuk. Sie arbeitet langsam und genau, eben unaufgeregt. Die Fl\u00e4chen ihrer Kompositionen sind pr\u00e4zis vorausberechnet, die Farben von Anfang an festgelegt, der Prozess der Arbeit vorausschaubar. \u201eIch bin ein Flei\u00dfarbeiter\u201c, sagt die K\u00fcnstlerin \u00fcber sich selbst. Dies erkennt man m\u00fchelos an ihren Gem\u00e4lden: Sie bestehen aus vertikalen oder horizontalen Farbb\u00e4ndern, die von wenigen, mit dem Lineal gezeichneten Elementen belebt werden \u2013 keine Spur der Aufregung, kein dramatisches Mitteilungsbed\u00fcrfnis in dieser akribischen Malerei.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund k\u00f6nnte der Volksglauben, der Vincent Van Gogh, Emil Schumacher oder Georg Baselitz im Sinne hat, vorschnell behaupten, dass Wildf\u00f6rsters Malerei zu sauber, zu k\u00fchl oder gar zu stumpfsinnig und unexpressiv sei. Die unbedingte Suche nach einem einfachen, prim\u00e4ren Ausdruck in der Kunst ist eine genauso prim\u00e4re und einfache Reaktion. Maler k\u00f6nnen ja ihren Weltschmerz herausbr\u00fcllen oder ihre wahnsinnige Energie auf Leinwand kanalisieren. Und Maler, die weder br\u00fcllen noch kanalisieren, sind nicht deshalb weniger Maler. Denn die Malerei ist immer eine M\u00f6glichkeit, sein Verh\u00e4ltnis zur Welt zu kl\u00e4ren und auf diese Welt symbolisch \u2212 also indirekt \u2212 einzuwirken. Diese Einwirkung kann kraftvoll und gewaltig, aber auch gelassen und konzentriert erfolgen. Wildf\u00f6rster hat sich f\u00fcr den letzteren Umgang entschieden.<\/p>\n<p>Ihre Malerei l\u00e4sst die Realit\u00e4t einen Prozess der Reinigung durchlaufen. F\u00fcr ihre Bilder geht die K\u00fcnstlerin zun\u00e4chst von fotographischen Aufnahmen aus, die sich f\u00fcr den Betrachter sofort erschlie\u00dfen: Es sind Hochhausfassaden, Plattenbautenriegel, Trabantensiedlungen. Diese Motive werden am Computer verarbeitet und stark verfremdet. Wildf\u00f6rster unternimmt von da an alles, um die Vielfalt der vorgefundenen Welt auszusondern. Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten an den Fassaden, Spuren von menschlichen Existenzen oder Alterungserscheinungen des Geb\u00e4udes werden s\u00e4uberlich getilgt; perspektivische Ansichten werden in eine zweidimensionale Fl\u00e4che gebracht, changierende Farbt\u00f6ne zu einer basischen Information reduziert \u2212 in manchen Bildern sogar ins Schwarz-Wei\u00df. All das Individuelle, Sonderbare und Aus-der-Reihe-Tanzende wird eliminiert.<\/p>\n<p>Der malerische Prozess beschr\u00e4nkt sich dann auf ein sorgf\u00e4ltiges Auftragen der Farbe. Experimente mit Effekten unterschiedlicher Arten, bei denen Farbkombinationen ausprobiert und pastose oder durchsichtige Strukturen angewendet wurden, sind in der Vergangenheit mal realisiert worden. Die Ergebnisse, weitaus opulenter und mannigfaltiger als all das, was sich in diesem Katalog sehen l\u00e4sst, wurden allerdings abgelehnt. Denn Wildf\u00f6rster sucht nicht die Materie der Malerei oder die authentische Farbsprache; sie will nicht die Eigenschaften des Mediums zelebrieren und noch weniger einem Farbrausch verfallen. Sie will eine Ordnung in die Welt bringen. Sie will die Entropie dieser Welt durch ordnende Arbeit reduzieren. Sie will das Fl\u00fcchtige und Changierende des Lebens f\u00fcr einen Moment stoppen, damit sie es besser erfassen kann. Sie sucht das mathematische Ger\u00fcst der Dinge hinter ihren organischen oder mineralischen Oberfl\u00e4chen, sie sucht die unentwegte Wahrheit hinter der bewegten Fassade, das Universale hinter dem Besonderen.<\/p>\n<p>Von daher ist die Malerei von Wildf\u00f6rster keine Malerei. Vor allem scheinen die schwarz-wei\u00dfen Bilder allen Anspruch an das Medium aufgegeben zu haben. Die Leinwand ist noch da und die Acrylfarbe wird noch mit einem Pinsel \u00fcbertragen, aber Wildf\u00f6rster spricht haupts\u00e4chlich eine graphische Sprache \u2212 und keine malerische. Auch deshalb f\u00e4llt es schwer, von Motiven zu sprechen. Die visuellen Komponenten erinnern eher an abstrakte Zeichen, Codes oder Symbole. Diese Zeichen, die mal Fensterrahmen oder Balkonvorsprung an einer Fassade waren, werden im Takt wie Musiknoten auf einer Partitur eingereiht. Kein Staccato in dieser Musik, keine Dissonanz und keine abrupten Br\u00fcche in der Entwicklung der Melodie. Daf\u00fcr aber ein klarer, alles ordnender Rhythmus und eine gleichm\u00e4\u00dfige, sich wiederholende Tonfolge. Wenn Wildf\u00f6rsters Kompositionen gespielt werden sollten, w\u00fcrde man mit Sicherheit an <i>minimal music<\/i> erinnert werden, an Steve Reich, Terry Riley oder Phil Glas.<\/p>\n<p>Das ist keine Musik f\u00fcr Helden. Helden h\u00f6ren Wagner, meinetwegen auch Prokovief oder Stravinsky. Wenn man sich auf die Musik von Wildf\u00f6rster einl\u00e4sst, wenn man das erste, oberfl\u00e4chliche Gef\u00fchl von Gleichf\u00f6rmigkeit und Eint\u00f6nigkeit hinter sich l\u00e4sst, dringt man in eine Welt der kristallen Kl\u00e4nge und regelm\u00e4\u00dfigen T\u00f6ne ein. Eine perfekte Welt, perfekt wie die Idee; eine durch und durch konstruierte Welt, die Klarheit, Besinnlichkeit und ewige Kontemplation offeriert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ArtikelRP-22.02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-596\" alt=\"ArtikelRP-22.02\" src=\"http:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ArtikelRP-22.02-1024x972.jpg\" width=\"759\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ArtikelRP-22.02-1024x972.jpg 1024w, https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ArtikelRP-22.02-300x284.jpg 300w, https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ArtikelRP-22.02-315x300.jpg 315w, https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ArtikelRP-22.02.jpg 1640w\" sizes=\"auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/webArtikel-Lokalkurier-Febr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-600\" alt=\"webArtikel-Lokalkurier-Febr\" src=\"http:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/webArtikel-Lokalkurier-Febr-1024x761.jpg\" width=\"584\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/webArtikel-Lokalkurier-Febr-1024x761.jpg 1024w, https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/webArtikel-Lokalkurier-Febr-300x223.jpg 300w, https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/webArtikel-Lokalkurier-Febr-403x300.jpg 403w, https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/webArtikel-Lokalkurier-Febr.jpg 1436w\" sizes=\"auto, (max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/web-Text-Zeitung-S_W.jpg\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-family: 'Helvetica Neue', Helvetica, Arial, 'Nimbus Sans L', sans-serif;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-521\" alt=\"web-Text-Zeitung-S_W\" src=\"http:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/web-Text-Zeitung-S_W-1024x514.jpg\" width=\"584\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/web-Text-Zeitung-S_W-1024x514.jpg 1024w, https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/web-Text-Zeitung-S_W-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.wildfoerster.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/web-Text-Zeitung-S_W-500x251.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Ausstellung\u00a0 D. 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